Die intensive Bearbeitung des "Nachhaltigkeits-Gedankens", die im letzten halben
Jahr in unserer Einrichtung stattgefunden und zu einigen Neuerungen geführt
hat, erfolgte aufgrund mehrerer Umstände:
| Seit der Aufnahme der Ambulanten
Muskuloskeletalen Rehabilitation (AMR) in das Behandlungsspektrum der Einrichtung,
zielt die Konzeption der REHA SÜD auf langfristige Erfolge und aktive Teilhabe
der Patienten. Ein Schwerpunkt ist hierbei von Beginn an, dem Patienten durch
vielseitige Folgeprogramme (unterschiedliche Präventionskurse, IRENA, ASP...)
eine möglichst langfristige Rehabilitationsbegleitung anzubieten. |
| Ein
weiterführendes Trainingstherapie-Angebot auf Selbstzahlerbasis wird häufig
als Wunsch von den Patienten angesprochen und wurde bereits auch als sogenanntes
Trainingsflächen-Abo ausprobiert. Aufgrund von begrenzten Raumkapazitäten
und dadurch möglichen entstehenden Qualitätsverlusten in der Betreuung
des laufenden Therapiebetriebes wurde hiervon aber wieder Abstand gewonnen. Dennoch
blieb die Suche nach weiteren Möglichkeiten, unseren Patienten NACH ihrem
Reha-Aufenthalt adäquate Begleitung und Bewegungsangebote an die Hand zu
geben. |
| Die Auswertung der hausinternen
Reha-Fragebögen ergab, dass sich bei über 90 % der Befragten der Gesundheitszustand
direkt nach der Reha gebessert hat. Generell bisher ungeklärt bleiben bislang
jedoch der langfristige Erfolg und die entsprechende Kontrolle, auch hier wurde
nach Möglichkeiten der Ergebnisoptimierung und -sicherung gesucht. |
| Der
im Frühjahr 2008 erschienene Praxisleitfaden "Strategien zur Sicherung der
Nachhaltigkeit von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation" der BAR zeigt,
dass die Nachhaltigkeit auch generell ein Schwerpunktthema in der rehabilitativen
Versorgung darstellt. Basierend auf diesem Leitfaden entwickelte die REHA SÜD
konkrete Umsetzungspunkte, die im Folgenden vorgestellt werden. |
| Wichtige
grundlegende Ansatzpunkte, die dabei besondere Beachtung gefunden haben, sind:
| | Aktive Rolle des Patienten
am Rehaprozess (Teilhabe) | | | Gemeinsame
Zielvereinbarung für Reha und Nachsorge | |
| Langfristig erfolgreiche Wiedereingliederung in das Berufs-
und Alltagsleben durch dauerhafte Lebensstiländerung | |
| Berufsgruppenübergreifende Verzahnung der Therapie
in Bezug auf Gesundheitsaufklärung, individuelle Ausschöpfung von Gesundheits-
und Bewegungsangeboten, Bewältigungsstrategien, Motivationsschulung |
| | Langfristige Begleitung,
Beratung und Erfolgskontrolle auch über das Ende der Rehamaßnahme hinaus
| |
|
| Die REHA SÜD strebt an, im nächsten Kalenderjahr
mindestens 10% der Rehapatienten nachweislich dazu zu bringen, ihren Alltag nach
der Reha regelmäßig aktiver zu gestalten (Kontrollzeit nach 6 Monaten). | | | | Sportgruppenangebot |
|
Ergebnisbericht: |
Mit Hilfe des uns vorliegenden
Praxisleitfadens der BAR erfolgte seit Juli/August 2008 eine Überprüfung
der bereits bestehenden hausinternen AMR-Konzeption und sonstiger vorliegender
Kapazitäten:
| - | Wie kann auf den
Patienten in Hinsicht auf seine aktive Rolle und vor allem auf die langfristige
Weiterführung seiner begonnenen Verhaltensänderung während und
nach der Reha noch mehr Einfluss genommen werden? | | -
| Wo kann noch intensiver und konkreter der Nachhaltigkeitsgedanke
eingebracht werden? | |
Hierzu
wurden alle beteiligten Mitarbeiter des Reha-Teams über die neu definierte
Zielrichtung informiert, dementsprechend sensibilisiert und intern geschult sowie
deren Ideen mit in die Umsetzung eingebracht. Daraufhin erfolgte die Ausarbeitung
der einzelnen Neuerungen, die Punkte werden im Folgenden genauer vorgestellt: |
|
Kooperation REHA SÜD - Vereine: |
Auf der Suche nach möglichst neutralen, wenig
wettbewerbsorientierten, kostengünstigen und wohnortnahen weiterführenden
Gesundheitsangeboten nach Ausschöpfung all unserer hausinternen Angebote,
kam die Idee einer Kooperation mit umliegenden Vereinen zustande. Mehr als 25
ausgewählte Vereine mit Gesundheitsangeboten und teilweise Gesundheits-Qualitäts-Siegeln
wurden angeschrieben und informiert. Acht Vereine davon zeigten Interesse und
wurden im September zu einem gemeinsamen Infoabend in die REHA SÜD eingeladen,
in dessen Rahmen die Idee vorgestellt wurde und Möglichkeiten der Kooperation
besprochen wurden. Sieben der acht Vereine waren anwesend und die geplante Zusammenarbeit
wurde durchweg als positiv und erfolgversprechend aufgenommen. Auf der einen Seite
kann die REHA SÜD nun gezielt und mit konkreten Ansprechpartnern auf Gesundheitsangebote
der Vereine in der Umgebung hinweisen. Eine Informationstafel "Sportvereine" mit
den laufenden Programmen wurde gestaltet, die gut sichtbar im Rehabereich aufgestellt
ist. | | Informationstafel "Sportvereine") | |
Auf der anderen Seite erhalten
die Vereine über Internet, Auslegen von Faltblättern und Zeitschriften
sowie durch die Nennung in einer neu angelegten Patienten-Informationsmappe zum
Thema "Bewegungsangebote nach der Reha" eine Plattform, um sich zu präsentieren
und neue Mitglieder zu bekommen. Zusätzlich wird ab Dezember 2008 mit einer
Schnupperkursreihe begonnen: Hier stellt sich in den Räumlichkeiten der REHA
SÜD jeweils ein Verein pro Monat mit einem Schnupperstundenangebot für
Patienten vor. Diese bekommen somit einen konkreten Eindruck, ob dieser Sport
bzw. diese Art Bewegungs-Angebot ihren Vorstellungen entsprechen könnte.
Nach einer gewissen Laufzeit (ca. nach einem halben Jahr) ist ein weiteres Treffen
mit den Vereinen geplant, um erste Rückmeldung zu erhalten. |
|
Rollenvermittlung/Aufklärung/Partizipation der Patienten: |
Ein entscheidender Faktor
spielt in unseren Augen das Verständnis des Patienten für seine Situation
und seine Aufgabe während des Aufenthaltes in unserer Einrichtung. Die Reha
soll nicht als Reparaturwerkstatt, sondern als Initialzündung für die
Änderung des Gesundheitsverhaltens gesehen werden. Der Patient soll dabei
verstehen, dass er die aktive Rolle, die Reha hingegen die begleitende
und unterstützende Rolle einnimmt. Verschiedenste "Kontakt- und
Einflussnahmestellen" wurden dahingehend nochmals überarbeitet und Schwerpunkte
neu gesetzt: |
| | Einführungsveranstaltung
zu Beginn der Rehabilitation | |
| Eingangs- und Abschlussgespräche
(Ärzte, Therapeuten und andere beratende Berufsgruppen) |
| | Schulungsmodule
der Ärzte | | | Neue
Schulung zum Thema Nachsorge "REHA VORBEI - wie geht es weiter?" durch Therapeuten;
hier werden den Patienten sowohl die nachsorgeorientierten Ziele der Reha als
auch alle Möglichkeiten zur Fortführung der gesundheitsfördernden
Maßnahmen erläutert. | | Patienten-Schulung | |
|
Der Erfolg all dieser Maßnahmen
ist in erster Linie auch abhängig von der Motivation und Kommunikation der
Mitarbeiter, ein entsprechendes "Train-the-trainer-Seminar" zum Thema "Gesprächsführung
und Patientenumgang" ist in Planung. |
|
Verbesserung
der Informationsmöglichkeiten für den Patienten: |
Um Gesundheitsangebote
wahrnehmen zu können, muss man zunächst wissen, dass und wo es entsprechende
Möglichkeiten gibt und wie man individuell "das Richtige" für sich findet.
Neben den oben genannten Schulungen und Gesprächen wurden für die
Patienten auch auf anderen Wegen weitere Informationsquellen zugänglicher
gemacht. Die "Vereinswand" bietet möglichst aktuell die Programme und Neuigkeiten
der kooperierenden Vereine. In einem Patienten-Informationsordner sind weitere
etwa 60 Vereine aus der Umgebung mit Kontaktadressen zu finden. Eine Anleitung
zur Fitnessstudio-Suche im Internet soll Hilfestellung in diesem Bereich bieten.
Ebenfalls wird so auf Adressen von Selbsthilfegruppen hingewiesen. Weitere
Internet-Adressen weisen auf aktuelle Gesundheitsthemen wie Qualitätssiegel,
Fitnessprogramme für Zuhause und generelle Tipps zu Bewegung und Gesundheit
im Alltag hin. Alle Quellen und der entsprechende Umgang damit werden in den verschiedenen
Schulungen vorgestellt. Am Abschlusstag bekommt jeder Patient die Möglichkeit,
in der Reha seine Email-Adresse zu hinterlassen, um regelmäßig durch
den newsletter der REHA SÜD informiert zu werden (z.B. über aktuelle
Präventionsangebote). |
|
Unterstützende
Begleitung NACH dem Reha-Programm: |
Mit
Hilfe verschiedener Maßnahmen wird versucht, dem Patienten den Übergang
vom intensiv betreuten Reha-Aufenthalt zum selbstständigen Alltagsleben zu
vereinfachen und dabei "ausschleichend" begleitend Hilfestellung anzubieten:
Während der IRENA/ASP findet im 4-Wochen-Rhythmus die "Pro-Aktiv-Woche"
statt, in der zusätzlich zum aktiven Programm in Kleingruppen über die
Themen "Sport und Bewegung im Alltag", "Überwindung von Motivationshürden",
"Individuelle Gesundheitsziele" etc. diskutiert wird. Es werden "Goldene Regeln
zum Durchhalten" vorgestellt, den Patienten wird ein persönliches Aktivitätstagebuch
ausgegeben und der Umgang damit erläutert. All dies dient dazu, den Patienten
einen sicheren, eigenständigen Umgang mit diesem Thema zu vermitteln. |
Zum zwanglosen Erfahrungsaustausch
findet einmal im Monat ein REHA SÜD Stammtisch in der Nachbarschaft der Einrichtung
statt - auch hierüber soll eine weiterführende Bindung an und Begleitung
durch die Reha gewährleistet sein. Als motivierende Nachfrage und zur Ergebniskontrolle
der vorgenommenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist eine telefonische Kurzbefragung
der Patienten sechs Monate nach Entlassdatum geplant. Dies gibt Aufschluss über
langfristige Veränderungen und ermöglicht außerdem dem Patienten
eine Eigenreflexion über seine Situation. Gegebenenfalls kann daraus auch
nochmals neue Motivation für weitere Schritte oder die Fortsetzung der bereits
eingeleiteten Maßnahmen resultieren. |
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Zusammenfassung und Vorschau: |
Alle angesprochenen Maßnahmen
sind ohne größeren organisatorischen Aufwand in den laufenden Reha-Betrieb
integriert worden. Wir wollen hierdurch einem qualitativ höherwertigen und
zielgerichteten Anspruch gerecht werden, der über den geforderten Standard
hinausgeht. Natürlich bedeutet der ein oder andere Punkt eine kostenintensivere
oder zeitaufwendigere Betreuung. Dies scheint jedoch im Hinblick auf das Gesamtziel
eines langfristigen!! Rehaerfolges absolut lohnenswert. |
Dennoch handelt es sich
in allen Bereichen um einzelne Bausteine, die alle auf ihre langfristige Durchführbarkeit
und vor allem ihren Nutzen hin überprüft und modifiziert werden müssen.
Viel hängt davon ab, wie sehr der Patient seine Aufgabe und Rolle verstehen
lernt. |
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Birgit Schönharting
(Physiotherapeutin, Marketing- und Projektassistentin) Freiburg,
im Dezember 2008 |
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| Weitere Schritte zur Nachhaltigkeit
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Im Sommer 2009 wurde eine „Train-the-Trainer“-Schulung
hausintern und auf die speziellen Belange der REHA SÜD hin ausgerichtet durchgeführt.
Schwerpunkte waren dabei die patientengerechte und aktive Vermittlung von Gesundheitsthemen
im Rahmen der ambulanten Reha. Das Schulungsprogramm wurde überarbeitet
und ein den Anforderungen der BfA angepassten Manual erstellt – dies garantiert
fortlaufende Qualitätssicherung bei den Patientenschulungen. | | |
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| Patientenmaterial in Form von Heimprogrammen
und Aktivitätstagebuch wird weiterhin optimiert und ergänzt. |